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Ein Helfer im ganzen Jahr

VON NICOLE RENDLER

Die einst aus einer verlorenen Wette entstandenen Spendenaktionen von Matthias Vogt beschränken sich längst nicht nur auf die Adventszeit. Unterstützt wird dieses Jahr ein Kind aus Oppenau.

Thilo Bächle heißt das Spendenkind, das Matthias Vogt mit seiner aktuellen Spendenaktion unterstützt.

Foto: Familie Bächle

Lautenbach. Die Sonne brennt und kaum jemand denkt im Moment an die Adventszeit oder gar den Nikolaustag. Und doch ist das ein Datum, das einen Mann aus Lautenbach seit Jahren nahezu zwölf Monate lang beschäftigt. Matthias Vogt ist rund um den 6. Dezember als Nikolaus unterwegs. Das macht er unentgeltlich. Spenden, die er mit seinen Kollegen, die ihn als Rentier und Knecht Ruprecht unterstützen, in den besuchten Häusern erhält, sammelt er aber gerne und gibt sie immer an ein krankes Kind weiter, das mit seiner Familie schwere Zeiten erlebt.

Diese Aktionen laufen seit Jahren und es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass Matthias Vogt ein Helfer mit Leib und Seele ist und er für sein Engagement immer mehr Unterstützer findet. Eher banal war einst der Beginn. „Ich habe eine Fußballwette verloren“, lacht der humorvolle Stuttgart-Fan. Und nachdem sein VfB haushoch gegen Borussia Dortmund untergegangen war, schlüpfte er in ein Nikolauskostüm und überraschte die Kinder seines Kollegen als Bischof von Myra.

Regelmäßige Aktion

„Ich habe einen Kumpel mitgenommen und wir machten nochmal zwei Häuser. Jeder wollte uns etwas geben, aber wir wollten das für die Kinder machen“, erinnert sich der gelernte Schlosser. So entwickelte sich die Idee, dieses Geld zu spenden. Da sich Matthias Vogt auch im DRK engagiert, fiel die Wahl damals auf die an Krebs erkrankte Isabelle Keller, die sich mit der Aktion im nächsten Jahr auch eine Alternativtherapie finanzieren konnte. „Wir haben uns ganz oft getroffen und sie hat mich motiviert, das zu tun, was ich mache. Nach ihrem Tod habe ich heute noch mit der Mutter Kontakt“ Aus den Anfängen hat sich eine regelmäßige Spendenaktion entwickelt. Inzwischen „wird jedes Jahr ein Kind aus der Gegend ausgesucht, dem wir das Geld geben“, sagt Matthias Vogt. Mattheo Männle, Maro Sester und Hanna Zipf heißen die weiteren Kinder, die unterstützt werden konnten. Das Geld kommt längst nicht mehr allein aus der Nikolaus-Aktion. „Fast immer, wenn ich auf ein Fest gehe, möchte mir jemand ein Bier zahlen und gibt mir Geld für ein Kind“, freut sich der Initiator. Noch lieber allerdings ist es ihm, wenn Spenden per Paypal über Vogtmatze@web.de eingehen. Diese werden gesammelt und immer nach Weihnachten in bar übergeben. Matthias Vogt möchte den Familien nicht vorschreiben, wie sie das Geld verwenden, denn diese wüssten selbst am besten, was sie am nötigsten brauchen.

Ein Fest für alle

Unterstützung gibt es ebenso von Firmen wie dem Trendmarkt Roth oder dem Friseurgeschäft Bubikopf in Zusenhofen. Enge Kontakte gibt es zu Katharina Schell und Dr. Achim Wacker, die mit ihrem Hospiz- und Therapiepony die gute Sache genauso fördern, wie Landwirte bei einer Lichterfahrt im Renchtal. Ende des Jahres wurde bei einem Waldspeck auf dem Hof der Familie Vogt das Geld an das jüngste Spendenkind übergeben. Fast 100 Personen und Gruppen wie die Kanalgemeinschaft Rüstenbach/Sohlberg oder die Feuerwehr Lautenbach, die gesunden und kranken Kindern mit dem Blick in ein Löschauto eine Riesenfreude machte, waren mit dabei und gaben das, was sie wollten, in eine Spendenkasse.

Überrascht ist Matthias Vogt, dass er oft genug Spenden von Menschen erhält, die selbst finanziell nicht allzu üppig aufgestellt sind. Nicht einfach macht sich der Initiator die Suche nach dem Spendenkind und wundert sich, dass selbst von schwerstkranken Kindern kaum etwas bekannt ist: „Man hört von den Kindern so wenig und muss sich echt erkundigen, wo Not besteht.“ Doch die gibt es durchaus und sein Engagement und sein Konzept überzeugen Bekannte und Bürger der Region. Kamen im ersten Jahr noch rund 900 Euro zusammen, so sind es inzwischen knapp 9000 Euro. Wie es dieses Jahr läuft, weiß Matthias Vogt nicht.

Froh ist er auf jeden Fall, dass er von Familie, Freundin und Kumpels eine so große Unterstützung erhält. So sind in diesem Jahr sogar zwei Nikolausteams unterwegs. Mit Matthias Vogt sorgen Sebastian Huber als Knecht Ruprecht und Jan Link als Rentier für leuchtende Kinderaugen. Die zweite Gruppe besteht aus Patrick Schütterle als Nikolaus, Andreas Braun als Rentier und Stefan Lienert als Knecht Ruprecht. Besucht werden rund 25 Häuser und ein Kindergarten, wobei die Eltern zuvor gute und schlechte Eigenschaften übermitteln sollen, die vorgetragen werden, bevor drei gemeinsam gesungene Strophen den Besuch beenden.

Einsatz im Ahrtal

Der Einsatz am Nikolaustag ist groß, aber längst nicht der einzige Bereich, in dem sich Matthias Vogt für andere engagiert. Der Lautenbacher Hofbesitzer ist engagiert im DRK, bei der örtlichen Feuerwehr, in der Betriebsfeuerwehr sowie als Sanitäter bei seinem Arbeitgeber, der Firma Koehler und dort auch im Betriebsrat. Nach der großen Katastrophe im Ahrtal fuhr er dorthin, um zu helfen, mit im Gepäck vom Arbeitgeber gespendetes Papier, damit die Kindergartenkinder vor Ort wieder malen und basteln können.

Im Ahrtal lernte Matthias Vogt großartige Menschen kennen, die sich sich selbstlos für andere einsetzen. Gerade er weiß, was dies bedeutet und lud daher die Familien des Metzgers Ralf Effert und von Irene Schneider anlässlich eines Besuches zwei Jahre nach der Katastrophe in seine Ferienwohnung im idyllischen Rüstenbach ein. Und sie bekommen da vielleicht einen Einblick, dass auch im Renchtal viel geholfen wird.

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